Von der Eisenbahn zum Weinkeller

read 991 times

Yannic Fischer - 1.-August-Rally des ZCKB

Endlich geht es los mit dem ersten Klub-Rally in diesem Jahr. Viel zu lange mussten wir uns in Geduld üben wegen des Coronavirus.

Wir haben uns mit dem Klub auf dem Campingplatz Mühleye in Visp in Form einer Wagenburg ausgebreitet. Insgesamt sind wir 16 Einheiten, wobei eine Familie besonders heraussticht mit insgesamt vier Einheiten und sieben Personen. Der Donnerstag war für die meisten der Anreisetag. Drei Einheiten kamen am Freitagnachmittag dazu.

Freitag, 31. Juli

Der Freitag ist vollgepackt mit Highlights. So machten wir uns um die Mittagszeit mit dem öffentlichen Verkehr auf den Weg Richtung Brig. Von der grossen Original-Lokomotive ging es in einem kurzen Spaziergang in die kleine Eisenbahnwelt. Der Lift führte uns ins vierte Untergeschoss, wo uns eine sehr schöne und grosse Modelleisenbahnanlage vor Augen geführt wird. 

Aus sechs Monaten Bauzeit wurden sechs Jahre. Warum so lange, haben sich viele gefragt. Die Antwort kam schnell. Es waren nicht von Anfang an professionelle Modellanlagenbauer am Werk und die Umstellung von der analogen zur digitalen Steuerung benötigte viel Zeit. 

Das Ziel der Erbauer war es, die Anlage (sie zeigt uns die Strecke von Brig via Hohtenn bis nach Kandersteg), so gut es geht, originalgetreu nachzubauen. Für die ganze Anlage wurden sieben Kilometer Kabel und zwischen 500 bis 600 Meter Gleis verlegt. Durch diese Elektronik wird ermöglicht, dass die Gleisabschnitte wie in echt für die Züge gesperrt werden können. 

Die einzelnen Strecken wurden anhand der Originalstrecke von Spezialisten ausgemessen, sodass die Strecke Hohtenn–Ausserberg die perfekte Höhendifferenz beziehungsweise die Steigung der Gleise von Bahnhof zu Bahnhof aufweist. 

Man kommt sich vor wie in der Realität. Es wird Nacht, die Lichter gehen an, ein Berghaus fängt Feuer und brennt lichterloh, ein Jäger schiesst neben dem Hirsch vorbei, neben der Strasse vergnügt sich ein Motorradfahrer mit seiner Begleiterin und der Storch kreist über beiden. Menschen winken zum Abschied am Bahnhof oder nehmen sich in den Arm, der Bäckersjunge verliert das Gleichgewicht und das Brot fällt zu Boden. 

Bei der Tour de Suisse steht die FurkaEtappe an, ein Radrennfahrer liegt verletzt neben der Strecke. Es gibt so vieles zu entdecken. Wir durften einen fantastischen Ausflug erleben, welcher bei vielen für Staunen und leuchtende Augen sorgte.

Nach einer kühlen Erfrischung mit einem Bierchen kehrten wir zurück zum Campingplatz, um die Vorbereitungen für die ZCKBFahnenzeremonie und den Eröffnungsapéro in Angriff zu nehmen. 

Samstag 1. August

Der Samstag wurde traditionell mit dem 1.-August-Brunch begonnen. Jede Einheit bringt bis auf eine Kleinigkeit ihre eigenen Zutaten mit. Es gab drei tapfere Röstiköche, welche für 30 Personen Rösti auf den Grills zubereiteten. 

Am Nachmittag ging es zu Fuss oder per Auto zu einer Weindegustation mit Apéroplättchen in eine Weinkellerei in Visp. Da das Wetter bei den Vorbereitungen des Kellereiteams nicht ganz mitspielte, wurden wir in den Privatbereich der Familie eingeladen.

Zuerst etwas zur Geschichte dieser Kellerei: Vor sieben Jahren hat die Chefin ihren Job bei einer Bank gekündigt und ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie wurde Weinbäuerin. Die Rebberge der Kellerei Drei Eichen sind im ganzen Oberwallis verteilt, hier und dort wurde wieder eine Parzelle gekauft. Der Name der Kellerei kommt von den drei Eichen vor ihrem Wohnhaus. Sie bewirtschaftet eine Hektare (10 000 m2) Reben, diese ergeben einen Ertrag von rund 6000 bis 7000 Litern Wein pro Jahr. Im Betrieb arbeiten gemäss Aussage von ihr 1,5 Personen. Die Chefin arbeitet 100 Prozent und ihr Mann hilft in seiner Freizeit oder nach Feierabend aus, da er Angestellter bei einer Firma ist. An Degustationen bekommen sie jeweils je nach Grösse der Gruppe Hilfe einer Bekannten, und bei der Traubenlese sind neben der Chefin und ihrem Mann noch acht bis zehn freiwillige Helfer im Einsatz. 

Die Weinbäuerin ist Tag für Tag in den Weinbergen unterwegs. Pro Jahr bearbeitet sie einen Rebstock bis zu vier-, fünfmal mittels Schneiden, Binden, Lesen und Einwintern. Das bedeutet, dass sie pro Tag im Schnitt 150 Rebstöcke bearbeiten muss. 

Reben werden rund 30 bis 35 Jahre alt, diejenigen der Kellerei sind 15 bis 20 Jahre alt. Bei unserer Degustation wurden uns sechs Weine (drei Weissweine und drei Rotweine) präsentiert. Angefangen wurde mit einem Weisswein namens Tiffany. Er ist leicht, fruchtig und hat eine leichte Restsüsse im Abgang. Der Wein ist eine Assemblage aus Chasselas-, Muskat- und Johannisbergtrauben. Anschliessend ging es zum wichtigsten Weisswein im Wallis, dem Johannisberg. Den Abschluss beim Weisswein machte der Heida. Für den Heida werden 2000 m2 Savagnin-Blanc-Reben bearbeitet. 

Heida passt übrigens sehr gut zu einem Raclette. Zur Weissweindegustation wurde uns feiner Walliser Hobelkäse serviert. Die Rotweindegustation wurde von grossen Platten mit Fleisch aus der Walliser Umgebung begleitet. Zu Beginn wurde uns ein Syrah eingeschenkt. Der Syrah ist farblich tiefrot, ist tanninreich und duftet nach Johannisbeeren, schwarzem Pfeffer und Pflaumen. Als nächster Wein stand der wichtigste Rotwein im Kanton Wallis auf der Liste: der Pinot Noir, auch bekannt als Blauburgunder. Er eignet sich gut zu einer fleischlastigen Mahlzeit oder auch einfach, um einen gemütlichen Abend vor dem Kamin ausklingen zu lassen. 

Den Schlusspunkt der Degustation bildete der Merlot. Er stammt ursprünglich aus der Bordeaux-Region, wird aber seit zehn Jahren vermehrt im Wallis angebaut. Bei der Kellerei Drei Eichen sind etwa 400 m2 Merlot-Reben angebaut. 

Nach dreieinhalb Stunden degustieren, zahlreichen Weinbestellungen und mit vollen Bäuchen kehrten wir zurück zum Campingplatz und liessen den Abend im Kreis um die ZCKB-Fahne bei einem Glas Wein oder einem Bier ausklingen.

Sonntag 2. August

Der Sonntag ist geprägt von einer kurzen Wanderung auf einem Teil des Visper Planetenweges, der Vispa entlang bis nach Stalden, um dann zum Schluss noch in Visp in einer Beiz einzukehren. An der Wanderung nahmen 13 Mitglieder teil. Der Rest vergnügte sich mit dem Velo oder dem Liegestuhl auf dem Campingplatz. 

Zwei Einheiten verliessen uns am späteren Nachmittag, da sie am Montag wieder arbeiten durften. Der Sonntagabend wurde umrahmt von einem Klub-Raclette-Essen. Der Käse wurde vom Klub spendiert. Die Tischreihe stand und das Wetter hielt sich trotz Bewölkung gut. Doch nach 15 Minuten Raclette-Essen fing es an zu regnen, und die Camper verkrochen sich unter die Camperstoren und Vorzelte. 

Mit dem Raclette-Essen wurde auch das erste ZCKB-Rally im Corona-Jahr 2020 beendet. Es war ein gelungener Anlass.